Geschichte der Stadt Swinemünde


Świnoujście ist eine Stadt, die bereits vor dem Krieg internationalen Ruhm erlangte und als besonders „junge“ Stadt gilt. Ihre Entstehung und Entwicklung bedingten ihre Lage, natürliche Bedingungen und die politische Situation, die im 18. Jh. herrschte. Lassen Sie uns deshalb etwas mehr über die Geschichte der Stadt erfahren.

Bis zum 17. Jh. gehörte Westpommern dem pommerschen Herrscherhaus der Greifen. Die Ländereien hier waren nur wenig bevölkert. Die Oder mündet hier ins Meer über drei Flussarme: Swine, Dievenow und Peene. Für die Seeschifffahrt war die Peene am besten geeignet und stellte somit die Hauptverbindungsstrecke von der Ostsee nach Szczecin, das bereits im 11. Jh. ein wichtiges Handelszentrum war, dar. Die Mündung der Swine war sandig und der Fluss war in diesem Abschnitt nicht schiffbar, aber er konnte leicht überquert werden. Deswegen verlief hier die Salzhandelsroute, die aus dem Osten nach Lübeck führte. Bereits 1230 verkehrte hier eine Fähre. Gegen Ende des 13. Jh. wird die Mündung zu einer wichtigen Zollstelle, an der das Dorf West-Swine gegründet wurde. Das 17. und 18. Jh. prägten zahlreiche Kriege um die Vorherrschaft in Pommern. Schließlich fielen Szczecin und die Inseln Wollin und Usedom auf der Grundlage  eines Abkommens von 1721 der preußischen Herrschaft zu. Das Abkommen sah jedoch eine Klausel vor, nach der Preußen kein Recht hatte, in diesem Gebiet einen Hafen oder eine neue Stadt zu errichten. Szczecin war zwar ein bekannter Handelshafen, dessen Betrieb wurde jedoch stark durch die von den Schweden verhängten Zölle eingeschränkt, da die gesamte Schifffahrt über die Penne erfolgte, die sich in schwedischer Hand befand. Um die Klausel zu umgehen, richteten die Preußen ihre Aufmerksamkeit der Mündung der Swine zu, da es hier eine Ansiedlung sowie einen Fährübergang gab, denen sie den Status einer Stadt und eines Hafens zuerkannten. Die Nutzung der Swine als Schiffsweg würde gleichzeitig auch Schlesien, Großpolen und das Pyritzer Land (das damals unter preußischer Herrschaft stand) mit der Ostsee verbinden. Der preußische König Friedrich Wilhelm I. entschied, den Fluss Swine zu vertiefen und den Hafen an seiner Mündung auszubauen.  

1721 begann die Flussregulierung. Bereits 1747 wurde Świnoujście in den Rang eines Seehafens erhoben. Bald wurde jedoch Świnoujście während des Siebenjährigen Krieges in den Jahren 1759 – 1762 von den Schweden besetzt. Bei ihrem Rückzug zerstörten sie alle Hafenanlagen und versenkten einige Schiffe. Wieder wurden Arbeiten für die Wiedererrichtung und den Ausbau des Hafens in Angriff genommen. Parallel zur Hafenentwicklung entwickelt sich auch die Siedlung weiter. Zum ersten Mal wurde die Stadtbezeichnung  Świnoujście im Jahre 1742 für die Ansiedlung im Hafengebiet verwendet und am 03. Juni 1765 erhielt sie von König Friedrich II. die Stadtrechte. Die Stadtverwaltung wurde zusammen mit dem Bürgermeisteramt bereits im Jahre 1753 einberufen.

Die Errichtung von Wellenbrechern in den Jahren 1818 bis 1824 ermöglichte auch bei stürmischem Wetter einen sicheren Hafenzugang. Um die Sicherheit weiter zu erhöhen, wurden auf dem Wellenbrecher ein beleuchtetes Navigationszeichen und zwei Jahre später ein Observationsturm für Lotsen an der Ostküste errichtet. 1854 wurde mit dem Bau des bis dahin höchsten Leuchtturms der Welt begonnen. Dieser wurde bereits im Dezember 1857 in Betrieb genommen.

In den Jahren 1874 – 1880 wurde der Königskanal (heute der Piastenkanal) errichtet, der den Schiffsweg bedeutend verkürzte, indem er den mittleren Lauf der Swine direkt mit dem Stettiner Haff verband. Dafür wurde ein Teil der Insel Usedom umgegraben und damit abgeschnitten (so entstand die Insel Kaseburg). Gleichzeitig wurde der Wasserlauf vertieft. Diese Arbeiten trugen gleichzeitig zum Fall von Świnoujście als Handelshafen bei. Aufgrund der Vertiefung der Swine konnten größere Schiffe nach Szczecin gelangen, ohne in Świnoujście anzulegen. Ähnlich verhielt es sich bei ihrem Rückweg. Viele Menschen, die vor allem vom Warentransit lebten, verloren ihre Arbeit.

So wurde stärkeres Gewicht auf die Lage, den schönen Strand und das Klima gelegt. Die klimatischen Bedingungen waren der Grund für die Errichtung des ersten Kurhauses im Jahre 1826. Es wurden hier die ersten Badeanstalten errichtet, die mit Seewasser aus Fässern versorgt wurden. In diesem Jahr wurden auch die ersten 613 Kurgäste empfangen. Bald wurde der Kurpark angelegt, der 1827 von Peter Joseph Lenne, dem Direktor der Königlichen Gärten zu Berlin, entworfen wurde. Bis heute stellt der Park eine Art Grenze, die das Zentrum vom touristischen Viertel trennt, dar. Im 19. Jh. ist auch die Promenade entstanden – eine Spazierroute, die parallel zum Meer verläuft und zu den wichtigsten Punkten des Kurviertels führt.

Von der Promenade aus führten u.a. Ausgänge zum Strand und zur Mole. Am Meer gab es damals drei Strände: für Männer, für Frauen und einen Familienstrand. Bei Bohrungen in den Jahren 1890 – 1898 und 1903 – 1904 wurden reichhaltige Solequellen von großer Heilwirkung entdeckt. Dies entschied über den weiteren Ausbau und Entwicklung des Kurorts.   

Zur Entwicklung von Świnoujście als Kurort trugen auch die günstige Anbindung und die Entwicklung der Passagierschifffahrt bei. Die weiße Flotte sicherte die Verbindung zwischen den Ostseehäfen – so zum Beispiel nutzten im Jahre 1921 in Świnoujście ca. 20000. Passagiere den Seeweg. Im Jahre 1876 wurde Świnoujście an die Bahnverbindung angebunden (die Anfahrt von Berlin dauerte ca. 2 Std.) und im Jahre 1927 wurde ein Flughafen errichtet. Das alles führte dazu, dass Świnoujście vor dem Krieg von 20000 bis 50000 Kur- und Feriengästen pro Jahr besucht wurde. In dieser Zeit betrug die Einwohneranzahl ca. 12000. Die Stadt wurde auch von gekrönten Häuptern besucht, was das Ansehen der Stadt wesentlich erhöhte. Hier trafen sich der russische Zar Nikolai II. und der deutsche Kaiser Wilhelm II. Das Treffen fand im Vorhafen statt, auf einem eigens errichteten Steg auf halbem Wege zwischen den beiden Schiffen der Herrscher.

Zusammen mit der Entwicklung des Tourismus entstanden Kultur- und Sportanlagen. 1861 wurde im neueröffneten Stadion ein Pferderennen ausgetragen. Seit 1859 verfügt Świnoujście auch über ein eigenes Theater. Im Jahre 1939 gab es in Świnoujście 38 Hotels, 153 Pensionshäuser und 12 Tennisfelder (es wurden hier internationale Tennisturniere ausgetragen). Die Anzahl der Touristen und Sommergäste betrug über 600000, wogegen die Einwohneranzahl ca. 40000 betrug, wovon die Hälfte das Militär stellte. Gleichzeitig hat sich das Aussehen des Swinemünder Hafens verändert. Langsam wandelte er sich von einem Handelshafen in einen Militärstützpunkt um. Es wuchs auch seine Rolle als ein bedeutender strategischer Punkt. Seit 1856 war hier eine Militärgarnison stationiert und 1863 wurde eine Armeekommandantur mit zwei Kriegsschiffen, der Nimfa und der Arkona, eingerichtet. In diesem Jahr wurde auch der Bau der Befestigungsanlage (der 1848 begonnen wurde) abgeschlossen und die preußische Regierung ernannte Świnoujście zur Festung III. Klasse.

Seit 1908 kam es in Europa zu einer verstärkten Welle von Wirtschaftskrisen, was zum Ausbruch des I. Weltkrieges führte. Świnoujście war in dieser Zeit ein Stützpunkt der Kriegsmarine. Die Jahre vor dem II. Weltkrieg und im Krieg waren der Zeitraum, in dem die Seeflotte ausgebaut wurde. Im Jahre 1931 wurde Wilhelm Canaris (der spätere Chef der deutschen Abwehr) zum Kommandanten der lokalen Garnison ernannt. Auf der Kaseburg entstand ein Stützpunkt für U-Boote und in der Umgebung eine Basisinfrastruktur zur Unterstützung des Kriegshafens – Lager, Munitionsdepots, Bunkeranlagen, etc. In der Werft in Warszów (Ostswine) wurden kleine Minensuchboote aus Holz gebaut, Schiffsrenovierungen durchgeführt und Schiffe mit Torpedogeschossen bestückt. In der Jahrwende 1944/45 zählte die Stadt 40000 Einwohner, wovon die Hälfte das Militär stellte. Den Krieg überstand die Stadt ohne größere Aufregung und erst ganz am Schluss, am 12. März 1945, wurden bei einem Flächenbombardement 55% der Stadtarchitektur, einige Dutzend Schiffe zerstört und 23000 Menschen getötet. Świnoujście wurde am 05. Mai 1945 als letzte Stadt in Pommern eingenommen.

Auf der Potsdamer Konferenz wurde die polnische Grenze auf die Oder-Neiße-Linie festgelegt. Die genaue Grenze von Świnoujście wurde erst 1950 abgesteckt. Die offizielle Übertragung der Verwaltungsverantwortung von der sowjetischen Militärkommandantur an die polnischen Behörden erfolgte am 04. Oktober 1945. Der Vertreter der polnischen Seite, Władysław Matula, wurde zum Regierungsbeauftragten für den Wolliner Kreis und Roman Berent zu seinem Stellvertreter ernannt. Der erste Sitz der Behörde war das Gebäude am Słowiański-Platz Nr. 3. Die Zeiten waren sehr schwer. Im Januar 1946 zählte die Stadt lediglich 500 zivile Einwohner und im Jahre 1948 bereits wieder ca. 8000. Die Situation erschwerte auch die schlecht funktionierende Fährverbindung. Die Verbindung zwischen den beiden Ufern erfolgte durch eine Fähre mit deutscher Besatzung unter Aufsicht der sowjetischen Kommandantur, die über drei ehemals deutsche Fähren verfügte. Es waren die West-Swine, Ost-Swine und Kaseburg. Der Rundverkehr wurde durch die Fähre Riga bedient. Im Jahre 1946 wurde der Stadtverwaltung ein Schiff übergeben, das nach seiner Renovierung den Namen Piast erhielt. Es verkehrte zwischen Szczecin, Świnoujście, Międzyzdroje, Karsibór, etc. Erst 1950 wurde  den Stadtbehörden die Fähre Ost-Swine übergeben, die dann als Wolin ihren Betrieb mit polnischer Besatzung und unter polnischer Verwaltung aufnahm.

Eine wichtige Angelegenheit stellte der Schutz des Hafens und der Stadt dar. Dies war die Aufgabe der Seevolkspolizei, die in Świnoujście am 01. Januar 1946 gegründet wurde. Im September 1946 kam noch eine 20 Mann starke Einheit der Hafenwache hinzu, obwohl diese offiziell erst am Dezember 1946 unter dem Kommando von Antoni Michalczuk und später Władysław Erzepko ihren Dienst antrat. Bereits 1948 wurde der Wiederaufbau und der Umbau des Hafens von Świnoujście vom Kriegshafen zu einem Handels- und Fischereihafen aufgenommen. Es wurde die Errichtung eines großen Fischereikombinats gestartet, man baute dazu ein riesiges Schwimmbecken und ein Industriegebäude auf. Bereits drei Jahre später wurde die Fischerbasis in Świnoujście zur Nutzung freigegeben. Anfänglich wurde die Fischerbasis durch Dalmor aus Gdynia verwaltet, aber bereits im Januar 1952 wurde ein eigenständiger Betrieb für Fischereidienstleistungen „Odra“ in Świnoujście gegründet, der in seinen goldenen Jahren mehrere Tausend Personen beschäftigte.

Im Jahre 1948 taufte die Posener Regionalkommission für Namensgebung von Ortschaften einen Teil von Świnoujście (Warszów) in Odra um, und die Polnische Bahn PKP führte auf ihren Bahntickets den Namen Odra Port (Oder Hafen). Die Reisenden konnten keine Tickets nach Świnoujście kaufen, da es eine solche Bezeichnung in den Bahnverzeichnissen nicht gab. Erst im Jahre 1959, als der PKP Warszów einverleibt wurde, konnte die normale Stadtbezeichnung wieder verwendet werden.

Und wieder erhebte sich die Stadt wie Phönix aus der Asche. In den 50-er Jahren wurde das Küstenviertel von den sowjetischen Truppen wieder zurückgegeben und erst am 01.05.1958 traf der Ministerrat die Entscheidung über den Wiederaufbau von Świnoujście. Bereits am 01. Juli 1959 entstand der volkseigene Betrieb „Kurort Świnoujście“.